Erzbischöfliches Gymnasium Privatschulen EbGym Hollabrunn

Humanpsychologie und Humanbiologie – der Schulschwerpunkt des Erzbischöflichen Gymnasiums

Berechtigte Befürchtungen der Weltgesundheitsorganisation WHO gehen dahin, dass Stress in naher Zukunft die bei weitem größte gesundheitliche Belastung für uns Menschen darstellt. Dabei sind nicht nur akut die Existenz bedrohende Zusammenbrüche, wie ein Burnout sie bedingt, gemeint, sondern vor allem auch die vielfältige dauerhafte psychische Überlastung des Organismus, die in ganz unterschiedliche, zum Teil auch lebensbedrohliche Krankheitsbilder – von Diabetes, über Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall bis hin zu Demenz - münden kann. Damit eine Gesellschaft dagegen sinnvoll vorgehen kann, braucht sie entsprechendes Wissen. Deshalb fordern der Basler Neurobiologe Hans Rudolf Olpe und der Zürcher Psychiater Erich Seifritz in ihr er aktuellen Publikation „Bis er uns umbringt?“ (Hans Rudolf Olpe, Erich Seifritz: Bis er uns umbringt? Wie Stress die Gesundheit attackiert – und wie wir uns schützen können. – Bern: Huber 2014)  unter anderem mehr Stressaufklärung im Unterricht.

Genau hier setzt das Erzbischöfliche Gymnasium mit seinem Schwerpunktfach „Humanpsychologie und Humanbiologie“ bereits seit nahezu zwei Jahrzehnten an. Zentrales Anliegen des Faches ist es, den Menschen in seinem Sein von mehreren Perspektiven zu betrachten und einen fundierten Einblick in das vielfältige Zusammenspiel von Körper, Denken und Fühlen zu ermöglichen – mit dem Ziel, sich selbst und auch die Mitmenschen besser verstehen zu können und zufriedener und damit auch gesünder zu leben. Dementsprechend stehen Themen wie Stress, Hormonsystem und Immunsystem, Depressionen, Entspannungsmethoden, Sucht, aber auch Motivation und Gentechnik – um nur ein paar wenige zu nennen - im Lehrplan. „Der Mensch im Mittelpunkt“ – die Quintessenz des Marchtaler Plans, der das Unterrichtsgeschehen am Erzbischöflichen Gymnasium grundlegend prägt, ist mit dem Gegenstand „Humanpsychologie und Humanbiologie“ also gleichsam in ein Fach gegossen.

„Das, was eure Schülerinnen und Schüler aus dem Unterricht mitnehmen können, darüber besuchen andere als Erwachsene Seminare um teures Geld!“, zeigte sich am Tag der offenen Tür ein Besucher begeistert. Lebensrelevante Themen theoretisch fundiert und gleichzeitig praxisorientiert zu besprechen ist den Lehrerinnen und Lehrern dieses Faches ein wichtiges Anliegen. Unterrichtet wird sowohl in der Unterstufe als auch in der Oberstufe (außer in der 5. Klasse) von zwei verschiedenen Lehrpersonen. Mehr oder weniger parallel wird dabei ein Thema bearbeitet, wie eben Stress in der 6. Klasse: In Humanbiologie lernen die Schülerinnen und Schüler, was in Stresssituationen in ihrem Körper passiert, welche Hormone ausgeschüttet werden und welche Prozesse diese sodann im Organismus bewirken und welche Krankheiten dadurch begünstigt werden. In Humanpsychologie geht es zeitgleich darum, wie etwa unser Erleben und Verhalten von ungünstigem Stress beeinflusst wird und welche Maßnahmen man ergreifen kann, um negative Folgen für den Organismus möglichst gering zu halten. Aufbauend auf diesen grundlegenden Zusammenhängen werden weitere die Lebensqualität beeinträchtigende Störungsbilder und Krankheiten thematisiert. Die Idee des vernetzten Unterrichts, neben dem Morgenkreis, der Freien Stillarbeit und dem Fachunterricht eine wesentliche Säule des Marchtaler Plans, wird im Schulschwerpunkt damit permanent realisiert.

Humanpsychologie und Humanbiologie hat überdies im Fächerkanon eine wichtige Position. Bereits in der Unterstufe (3. und 4. Klasse) wird es mit zwei Unterrichtsstunden pro Woche vor allem praxisorientiert unterrichtet. In der gesamten Oberstufe ist es eines der Schularbeitsfächer und spielt dadurch und als Schwerpunktfach der Schule auch im Rahmen der Neuen Reifeprüfung eine wesentliche Rolle. Als Schulschwerpunkt muss es nämlich zumindest in einer der drei Matura-Säulen abgebildet sein, das heißt, die MaturantInnen müssen ihre Vorwissenschaftliche Arbeit zu einem Thema schreiben, das der Humanbiologie bzw. der Humanpsychologie zugerechnet werden kann, und/oder eine schriftliche Klausurprüfung und/oder eine mündliche Klausurprüfung aus Humanpsychologie und Humanbiologie ablegen. Auch über die Matura hinaus nützt unser Schulschwerpunkt den jungen Menschen. Vor allem wenn sie ein Studium absolvieren wollen, in dessen Mittelpunkt der Mensch steht, profitieren sie von dieser soliden und umfassenden Ausbildung. Allen voran Medizin- und PsychologiestudentInnen, aber zudem jene, die vorhaben, ein entsprechendes Studium an einer Fachhochschule zu beginnen, wissen um ihren unschlagbaren Vorteil. Doch auch alle anderen Absolventinnen und Absolventen unserer Schule werden durch die Themenvielfalt des „HUM-Unterrichts“ auf die verschiedenen Facetten des Lebens gut vorbereitet. Erst recht in einer Zeit, in der Nivellierung und Konformität in die Institution Schule per Verordnung Einzug gehalten haben, muss der Individualität und Einzigartigkeit des Menschen Rechnung getragen werden. In diesem Sinne: Humanpsychologie und Humanbiologie - non scolae, sed vitae discimus.

Dr. Claudia Koliander-Bayer

Humanbiologie und Humanpsychologie

„Das, was hier den SchülerInnen geboten wird, eignet man sich nach der Schule um teures Geld an!“

Im Pflichtfach „Humanbiologie und Humanpsychologie“, das am Erzbischöflichen Real- und Aufbaugymnasium Hollabrunn als einzigem Gymnasium Österreichs von der dritten bis zur achten Klasse unterrichtet wird, geht es darum sich Wissen für den Umgang mit den Mitmenschen und über den Menschen anzueignen, sich selbst besser kennen lernen, Verständnis füreinander zu entwickeln sowie die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit zu fördern. Es dreht sich also alles um den Menschen in seinen unterschiedlichen Kontexten. Unser Agieren in verschiedenen Rollen wird ebenso thematisiert wie etwa Partnerschaft und Familie, Gesundheitsvorsorge, die Entwicklung des Menschen oder die unterschiedlichen Leistungsbereiche unseres Abwehrsystems, darüber hinaus neue Technologien wie Gen- und Fortpflanzungstechnologie mit ihren Problemen. Wie die Bezeichnung „Humanbiologie und Humanpsychologie“ bereits ankündigt, werden die Lernenden dazu angeleitet, sowohl aus biologischer als auch aus psychologischer Perspektive Zugang zu den einzelnen Themenbereichen zu finden. Darüber hinaus spielt „Kommunikation“ in ihren unterschiedlichen Kontexten eine wichtige Rolle. Die Lerninhalte (Diskussions- und Gesprächsverhalten, Konfliktbewältigung und Problemlösungsstrategien, richtiges Verhalten in Vorstellungsgesprächen usw.) dabei gehen weitgehend konform mit den Inhalten von diversen Seminaren, die in der Regel erst nach der Schule konsumiert werden und für die man bereit ist, teures Geld zu bezahlen. Durch Projektarbeiten, die Schularbeiten ersetzen, werden selbständiges Arbeiten und Teamarbeit geschult. Das Fach „Humanbiologie und Humanpsychologie“ fügt sich somit in das Gesamtkonzept der Schule, die neben der Vermittlung von Bildung, Wissen eine ganzheitlich personale und soziale Erziehung der SchülerInnen auf der christlichen Basis anstrebt.